Die Maskenpflicht stellt Menschen mit Hörbeeinträchtigungen vor enorme Kommunikationsprobleme, weil sie das Mundbild des Gesprächspartners zum besseren Verstehen benötigen und die Stimmen durch den Stoff wesentlich gedämpfter und verzerrter ankommen.
Die Gruppe der ertaubten und gehörlosen Menschen, die akustisch gar nichts verstehen, ist sogar vollständig auf das Mundbild angewiesen. Die Gebärdensprache ist für die Mehrzahl der lautsprachlich orientierten Hörbeeinträchtigten kein Ersatz für das fehlende Mundbild, da sie in der Regel genauso wenig gebärden können wie ihr Umfeld.

 

Masken bedeuten für Menschen mit Hörbeeinträchtigungen in zahlreichen Lebensbereichen eine erhebliche Kommunikationsbehinderung. Beim Einkaufen und im Nahverkehr mag man viele Gespräche mit Geduld meistern. Bei Arztbesuchen, im Krankenhaus und in Pflegeheimen ist die Informationsgewinnung massiv erschwert und das Recht auf Aufklärung über die Erkrankung und über Behandlungsalternativen gefährdet. In der Schule bereiten Masken z.B. auf Schulgängen oder gar im Klassenzimmer eine erheblich erschwerte Kommunikation sowohl für Lehrkräfte als auch Schüler mit Hörbeeinträchtigung.

 

Menschen mit Hörstörungen erleben immer wieder soziale Isolation und Stigmatisierung, ein gewisses Feingefühl in Zeiten von Corona ist selten gegeben da die Politik zwar entsprechende Möglichkeiten eingeräumt hat, diese aber weitesgehend nicht der Öffentlichkeit klar kommuniziert wurden.

 


So gilt in der Dritte SARS-CoV-2-Infektionsschutzmaßnahmenverordnung Berlins mit Stand 31.08.2021 unter Teil 1

§2  (2)

Soweit in dieser Verordnung vorgeschrieben ist,
eine medizinische Gesichtsmaske
oder eine FFP2-Maske zu tragen,
gilt diese Pflicht nicht


 

  1. für Kinder bis zum vollendeten sechsten Lebensjahr,
  2. für Kinder bis zum vollendeten 14. Lebensjahr hinsichtlich
    FFP2-Masken,
     wobei stattdessen medizinische
    Gesichtsmasken zu tragen sind,
  3. für Personen, die ärztlich bescheinigt auf Grund einer
    gesundheitlichen
     Beeinträchtigung, einer ärztlich bescheinigten
    chronischen Erkrankung
     oder einer Behinderung keine medizinische
    Gesichtsmaske tragen können;
     die Verantwortlichen sind berechtigt,
    zur Überprüfung des Vorliegens der
     Voraussetzungen dieser
    Ausnahme die Bescheinigung im Original einzusehen,
  4. für gehörlose und schwerhörige Menschen und Personen,
    die mit diesen kommunizieren, sowie ihre Begleitpersonen,
  5. für Kundinnen und Kunden in Handwerks- und Dienstleistungsbetrieben
    im Bereich der Körperpflege für die Dauer einer Dienstleistung, bei der
    von den Kundinnen und Kunden nicht dauerhaft eine medizinische
    Gesichtsmaske getragen werden kann (gesichtsnahe Dienstleistungen), oder
  6. soweit in einem bereichsspezifischen Hygienerahmenkonzept nach
    § 5 Absatz 2 oder einer auf Grund von § 39 erlassenen Rechtsverordnung
    weitere Ausnahmen vorgesehen sind.

 

Nun könnte man meinen "aha, mit einem Attest bin ich befreit". Falsch, jedoch nicht so wie Sie meinen.
Ihnen steht das Recht zu ohne eine weitere Bescheinigung den für sie geltenden Satz 4 der dritten SARS-CoV-2-Infektionsschutzmaßnahmenverordnung Teil 1 §2 (2) in Anspruch zu nehmen denn ein Hilfsmittel zur Minderung der Hörschädigung stellt genug Beleg dar. Leider ist dies wenigen bekannt sodass es immer wieder zu Konfrontationen kommt um die sich ein Hörgeschädigter schämt und oft sein Leid still erduldet, sich dabei aber in diverse Gefahren begibt da seine Wahrnehmung eingeschränkt ist.


Wir appellieren an Mitmenschen, Ladenbesitzer und Ärtze - bitte nehmen Sie sich die aktuelle SARS-CoV-2-Infektionsschutzmaßnahmenverordnung zu herzen und unterstützen Sie Menschen, denen es so schon schwer genug fällt sich im Leben kommunikativ zu halten. Unseren aktuellen Flyer hierzu kann man >>HIER<< herunter laden.

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Datum Beitrag: 2021-09-17 Autor: AS, freier Autor